Kurzbericht zur Reise nach Tansania

Unsere Partnerschaft zur Diakonausbildung  in Faraja,  Sanya Juu  läuft nun schon seit über  18   Jahren. Im Frühjahr wurde eine  Einladung durch Diakon Günter Neidhardt für den Herbst  2012 zu einer Studienreise  ausgesprochen. So reiste ich  gemeinsam mit einem Diakonenehepaar  der Rummelsberger Diakonengemeinschaft und Hans Joachim Köhler vom  26.- 8./9.11.2012  nach Tansania.

Wir haben das Diaconic Center im Norden Tansanias besucht. Seit über fünf Jahren leben und arbeiten Diakonin Gabi Lehrke-Neidhardt und ihr Ehemann, Diakon Günter Neidhardt, als Leiterin der tansanischen Diakonausbildung  bzw. als Leiter des ganzen Centrums dort. Es hat viele Begegnungen und Gespräche im Zentrum mit den Studenten und Mitarbeitern gegeben.  Ein besonderer Schwerpunkt unseres Besuches war es, schon im Dienst stehende Diakone kennenzulernen. Wir hatten Begegnungen und Gespräche mit Diakonen, die für die  Koordinierung in einem Dekanat, als Leiter einer Diakoniestation oder  Leiter für besondere Projekte der Diakonischen Arbeit zuständig sind. Wie z.B. in Moshi  für ein  Projekt mit  4 Tagesstätten für geistig Behinderte, mit Therapieangeboten für  die Kinder und Hilfe für die Eltern durch Ausreichung von  Kleinkrediten. Diakone arbeiten u.a. auch als Medical  Officer, als  Lehrer in einer Handwerkerschule im Distrikt Hai (Norddiözese), als Buchhalter in einer kirchlichen Bank.    In Usa River besuchten  wir ein Rehabilitationszentrum für Körperbehinderte der Evangelisch Luth. Kirche, in dem seit vielen Jahren der deutsche Diakon Klaus Heim arbeitet und junge Menschen in  vier, zukünftig fünf Berufen ausgebildet werden. Seit meinem letzten Besuch vor 5 Jahren hat das  Land insgesamt und insbesondere auch  die Arbeit der Kirche und der Diakonie eine sehr positive Entwicklung genommen. Sowohl die 24 ordinierten Diakone als auch die noch in Ausbildung befindlichen Studenten leisten eine  vorbildliche Arbeit. Doch sind die Kirche und Diakonie weiterhin auf Hilfe  aus dem Ausland angewiesen. Daher ist es außerordentlich wichtig, dass wir unsere Partnerschaft und die Unterstützung der Diakonausbildung  in Sanja Juu  weiter führen. Gabi und Günter Neidhardt gaben mir die große Bitte mit auf den Weg, ihnen bei der Realisierung ihres Projektes hilfreich zur Seite zu stehen.
In der Klausurtagung unseres Leitungsrates wurde beschlossen, dieses  Projekt zu unterstützen.

Gabi und Günter Neidhardt schreiben:

„Tumaini -heißt Hoffnung

Joyce (Name geändert) ist etwa 9 Jahre alt. So genau weiß das keiner, denn Ihre Geburt wurde nicht offiziell registriert. Joyce lebt meist, verborgen vor Nachbarn, zusammen mit ihrer Mutter und drei weiteren Geschwistern in einer kleinen Lehmhütte am Rand des Dorfes Naibilli, direkt in unserer Nachbarschaft.

Nicht zuletzt wegen Joyce hat der Vater die Familie verlassen, denn Joyce ist geistig behindert. Ein schweres Los für die Familie, gilt doch Behinderung oft noch als Fluch oder Strafe Gottes. Üblicherweise würde es  für Joyce wohl ein „dahinsiechen“ bedeuten, mehr recht als schlecht ernährt, vernachlässigt. Aber was soll Joyce‘ Mutter auch machen? Sie muss ja irgendwie Geld verdienen um die Familie zu ernähren, und so bäckt sie Maandazi, ein Fettgebäck, dass  sie dann für  10 Cent pro  Stück verkauft. Dafür muss Mama Joyce weite Wege gehen. Ihre behinderte Tochter wird dann eben eingesperrt, da ihre Geschwister andere Aufgaben haben um die Familie über Wasser  zu halten.
Joyce ist kein Einzelfall und nur ein Beispiel für Kinder mit einer geistigen Behinderung, hier in Tansania.  Aber es gibt Hoffnung für Joyce, ihre Familie und für vorerst 5 weitere Kinder in und um Naibilli. Im Februar 2013 werden wir eine kleine Tagestätte für Kinder mit einer geistigen Behinderung bzw. für mehrfach behinderte Kinder eröffnen. Viele haben bisher dazu beigetragen, dass dort ein kleines Zentrum der Hilfe entsteht. Die evangelische Kirchengemeinde und ihr engagierter Pfarrer werden die Trägerschaft übernehmen und stellen Gemeinderäume zur Verfügung. Mais, Bohnen und Reis werden Gemeindeglieder spenden. Bei einem Durchschnittseinkommen der Gemeindeglieder von etwa 1 Euro pro Tag, ein großartiges Engagement. Freunde und Unterstützer aus Deutschland haben das Geld für Fenster, Möbel und Materialien gespendet. Das Faraja  Diakonic Center bzw. die Diakonengemeinschaft   von Faraja,  wird einen noch nicht eingesegneten Diakon als Mitarbeiter nach Naibilli senden, eine pensionierte Lehrerin wird mitarbeiten, die Gemeindehelferin wird Essen kochen.

Tumaini  Center soll die Tagesstätte heißen. Tumaini heißt Hoffnung. Und genau darum geht es ja, um Hoffnung für Joyce und andere. Um eine Perspektive für das Leben von Joyce und ihrer Familie. Um Förderung, um den Abbau von Vorurteilen, um Menschenwürde. Hoffnung, die Realität wird in Naibilli. Und sicher wird das Projekt Kreise ziehen. Der Bedarf ist groß, in Sanya  Juu, in Sabuko, in Lawate, in Karansi…

Noch ist die Gesamtfinanzierung  nicht ganz „in trockenen Tüchern“. Nach unseren Kalkulationen fehlen uns noch etwa 2000 Euro im Jahresbudget, oder eben 166 Euro pro Monat, hauptsächlich für Gehälter.
Im Vertrauen auf Gottes Hilfe und mit einem herzlichen Dank für die Unterstützung,  die Ihr uns zugesagt habt, werden wir im Februar eröffnen, so oder so. Ein kleines Projekt, gewiss, aber eben ein gelebtes Beispiel christlicher Hoffnung, wo „viele kleine Leute an vielen kleinen Orten das Gesicht der Welt verändern.“                                                              Eure Schwester Gabi und Bruder Günter Neidhardt

Kontakt: faraja.dc@gmail.com

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